bmk Gruppe

Vorurteile gegenüber Oldies widerlegt: elfmal Ü50er neu eingestellt

Susanne Maier-Garzke kennt die Situation selbst am besten. Mit Mitte 50 wagt sie den beruflichen Wechsel zur bmk Gruppe. Mit sehr großem Erfolg. Heute beweist sie, dass das Alter eines Mitarbeitenden (fast) keine Rolle spielt. Sie setzt auf persönliche Gespräche mit den Bewerber*innen und schaut, was sie können, was sie mitbringen und ob und wo das passen könnte. Das führt zu Rekordeinstellungen im Ü50-Bereich.

16.01.2024

Sie haben in der bmk Gruppe in den letzten zwölf Monaten elf neue Mitarbeiter*innen eingestellt, die über 50 Jahre sind. Einige kratzen bereits an der 60. Warum?

Wir haben keine extra Ü50-Kampagne gefahren. Das hat sich so ergeben. Wir schauen grundsätzlich bei Bewerbenden nicht auf das Alter. Unserer Erfahrung nach bereiten sich Menschen ab 50 nicht unbedingt auf die Rente vor. Das ist ein Gerücht. Sie sind auch nicht weniger flexibel, nicht weniger modern oder öfters krank als Jüngere. Diese Vorurteile teilen wir überhaupt nicht. Im Gegenteil, meistens sind die erfahreneren Mitarbeitenden deutlich leistungsfähiger und gehen Veränderungen bereitwilliger mit. Sie haben ein starkes Verantwortungs- und Leistungsbewusstsein. Wir fragen uns einfach, ob die Person zur Stelle passt.

Wir stellen auch in der bmk Gruppe fest, dass auffallend viele Mitarbeiter*innen auch nach Renteneintritt oder erreichtem Rentenalter der bmk erhalten bleiben möchten. Sie arbeiten in Voll- und Teilzeit weiter. Zum einen braucht die bmk Gruppe Fachkräfte und zum anderen haben viele Spaß an der Arbeit und möchten ihr Wissen gerne an Jüngere weitergeben.

Ein Beispiel: Stefan Dörner haben wir Juni 2023 eingestellt. Wir haben ihn eingestellt und wussten nicht ganz genau, was er bei uns tun wird. Aber wir wussten, dass wir viel Arbeit haben und wir wussten, dass er eine bestimmte Erfahrung mitbringen wird. Darauf haben wir reagiert. Dass Stefan Dörner Ü50 ist, störte keinesfalls – im Gegenteil.

Das Alter spielt überhaupt keine Rolle?

Wenn natürlich sehr lange Einarbeitungszeiten dazu führen könnten, dass die Restarbeitszeit nicht mehr ausreicht oder zu gering wird, dann muss man genauer überlegen, ob das zeitlich noch passt.

Verjüngung ist in der Personalplanung selbstverständlich ein Thema. Gewisse Schlüsselpositionen müssen auf längere Sicht besetzt werden. Das wird auch getan. Unser jüngster Betriebsleiter ist zum Beispiel unter 30 Jahre, unser Werkstattleiter ist ebenfalls um die 30 Jahre und unser technischer Leiter noch unter 40 Jahre.

Verjüngung findet auch über Ausbildung statt. Hier investieren wir auch viel und können bei Verrentungen entsprechend Jüngere nachrücken lassen. Diese profitieren nicht nur während der Ausbildung, sondern auch in den ersten Berufsjahren von Know how und Erfahrung der Ü50.

Als Unternehmen profitieren wir sehr, wenn wir vorrangig auf Erfahrung und Know-how unserer Mitarbeitenden achten.

Seit zehn Jahren sind Sie in der bmk Gruppe und als Personalleiterin tätig. Was ist Ihnen in Ihrer Tätigkeit wichtig?

Zehn Jahre, richtig. Ich war in der gleichen Situation, wie viele Ü50-Zugänge aus den letzten Monaten. Mit Mitte 50 kam ich mit meinem früheren Arbeitgebenden nicht mehr zurecht. Arbeit macht mir Spaß, aber das Miteinander muss passen.

Ich habe eine damals noch übliche „Gesuche-Anzeige“ geschaltet. Ich habe eine pfiffige Anzeige mit dem Titel „Will mit 55 nochmals durchstarten“ veröffentlicht. Dann meldete sich die bmk bei mir. Das war schon einmal ein sehr guter Einstieg.

Zurück zur Frage: Ich setze auf das persönliche Gespräch mit Bewerbenden, auf eine individuelle Personalarbeit. In unserer Unternehmensgröße ist das möglich. Damit fallen keine verborgenen Talente durch das Raster anonymer Portale. Das ist ein Vorteil.

Eingangs erwähnten Sie, dass in der bmk Gruppe Fachkräfte gesucht werden.

Richtig. Wir wirken dem Fachkräftemangel entgegen, indem wir keine Altersbegrenzung ansetzen und auch Quereinsteigern Chancen geben. Initiativbewerbungen an die bmk Gruppe gerichtet, lohnen sich (fast) immer. Sie sind uns sehr willkommen. Das sind Menschen, die sich Gedanken gemacht haben.

Wir empfehlen dann immer, dass Interessent*innen bei uns reinschnuppern sollen. Wir zeigen, was wir tun, und informieren umfassend. Wir sind da sehr offen und lassen uns über die Schultern schauen. Danach hat man eine sehr gute Entscheidungsgrundlage.

Durch die betriebswirtschaftliche Brille geschaut – sind ältere Mitarbeitende nicht zu teuer?

Sie meinen, wegen hoher Gehaltsforderungen? Diese haben Jüngere ebenfalls. Das macht mittlerweile keinen Unterschied mehr.

Grundsätzlich bezahlen wir sehr gut und fair. Aber wir überschütten unsere Mitarbeitenden nicht mit Geld. Das gibt ein vernünftiges Maß und es stellt sicher, dass wir auch in Krisenzeiten in der Lage wären, den Personalstand zu halten und zu bezahlen.

Was raten Sie allen, die über einen Wechsel nachdenken?

Genau darüber nachzudenken, was ihnen bei der Arbeit wichtig ist. Das Thema Work-Life-Balance für sich zu gewichten. Neige ich zu Work oder zu Balance? Wo schlägt das Pendel hin? Wenn es Spaß macht, macht man sich nicht kaputt.

Denkt man über einen Wechsel nach, kann man das mit einer Partnerschaft vergleichen. Nur wer unzufrieden ist, denkt über einen Wechsel nach. Dann muss man sich überlegen, wieso bin ich unzufrieden. Der Beweggrund ist entscheidend.

Sei mutig und denke darüber nach, was du machen kannst. Es ist immer ein Risiko: Probezeit, Veränderung, persönliche Verpflichtungen. Diese Risiken gilt es abzuwägen.

Und den Ü50ern möchte ich sagen: „Bringt euch in Stellung – ihr werdet gebraucht!“

Vielen Dank an Susanne Maier-Garzke für das Interview

11× Ü50er innerhalb eines Jahres neu eingestellt

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